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Die Mariä-Entschlafens-Kathedrale der Lawra mit ihren blauen Sternkuppeln

Sergijew Possad

Die erste Station ab Moskau: blaue Sternkuppeln, die größte funktionierende Glocke Russlands und der Ort, an dem die Matrjoschka in Serie ging.

Siebzig Kilometer nordöstlich von Moskau, noch im Moskauer Gebiet: Sergijew Possad ist die naheliegende erste Station. Man kommt mit dem Vorortzug hin, in gut einer Stunde, und ist trotzdem in einer völlig anderen Welt.

Hier steht die Troize-Sergijew-Lawra, das geistliche Zentrum der russischen Orthodoxie. 1337 als eine einzelne Holzkirche auf einem Hügel gegründet, heute ein Klosterbezirk mit über dreihundert Mönchen, anderthalb Kilometern Mauer, zwölf Türmen, und seit 1993 UNESCO-Welterbe.

Die Farbe, für die man kommt

Die Mariä-Entschlafens-Kathedrale wurde ab 1559 auf Befehl Iwans des Schrecklichen gebaut. Ihre Kuppeln sind das Bild, das von dieser Stadt hängen bleibt: eine goldene in der Mitte, darum vier tiefblaue mit goldenen Sternen.

Diesen Farbklang findet man in Russland selten. Bei Sonne wirkt er fast unwirklich; über Schnee im Winter noch mehr.

Eine Ikone, die 2024 nach Hause kam

Die Dreifaltigkeitskathedrale von 1422 ist das älteste Gebäude des Klosters: weiß, gedrungen, mit leicht schrägen Wänden. Für ihre Ikonostase malte Andrei Rubljow um 1425 seine „Dreifaltigkeit“, die berühmteste Ikone Russlands.

1929 kam sie in die Tretjakow-Galerie. Am 22. Juni 2024 wurde sie an ihren ursprünglichen Platz zurückgebracht. Nach fünfundneunzig Jahren hängt sie wieder dort, wofür sie gemalt wurde. (Ob sie frei zugänglich ist, ändert sich. Vor Ort nachfragen.)

72 Tonnen, sechs Leute, ein paar Feiertage im Jahr

Der Glockenturm von 1769 ist ein barocker Bau von 88 Metern und von weit her sichtbar. In ihm hängt seit 2004 die neue Zar-Glocke: 72 Tonnen, viereinhalb Meter hoch, die größte funktionierende Glocke Russlands. Allein ihr Klöppel wiegt zwei Tonnen; sechs Leute müssen ihn in Schwung bringen.

Sie läutet nur an hohen Feiertagen. Im Alltag ist der Grundton ein weiches, vielstimmiges Läuten, dazu das Schlurfen sehr vieler Füße über Kopfsteinpflaster.

Die Matrjoschka, und wo sie gebaut wurde

Die erste russische Schachtelpuppe entstand um 1890 in der Werkstattbewegung um Abramzewo nördlich von Moskau; Sergej Maljutin bemalte sie im Auftrag des Mäzens Sawwa Mamontow. Vorbild war eine japanische Schachtelfigur. Der erste Satz zeigte eine Bauernfamilie: Mutter und sieben Kinder. 1900 gewann sie in Paris eine Bronzemedaille.

Sergijew Possad wurde dann der Ort, an dem sie industriell hergestellt wurde. Im Spielzeugmuseum liegt jener erste Satz, dazu über hunderttausend weitere Spielzeuge, darunter welche, die den Kindern Nikolaus’ II. gehörten.

Und im Nachbardorf Bogorodskoje schnitzt man seit über fünfhundert Jahren Holzspielzeug, das sich bewegt: unbemalte Lindenholzfiguren mit Mechanik. Man zieht an einem Brettchen, und Bauer und Bär hämmern abwechselnd auf einen Amboss.

Wer heute eine Matrjoschka als Erinnerung sucht, achtet besser auf feste Preisschilder als auf den großen Markt direkt vor der Lawra. Dort gibt es zwar alles, aber die Händler rufen oft Phantasiepreise auf.

Sechzig Jahre lang hieß diese Stadt nicht so. Von 1930 bis 1991 war sie Sagorsk. Wer alte Ansichtskarten oder alte Spielzeugstempel findet, findet diesen Namen.

Drei Kilometer weiter: ein Höhlenkloster

Der Gethsemane-Tschernigow-Skit hat von Hand gegrabene unterirdische Zellen und Gebetshöhlen, angelegt ab etwa 1847 nach dem Vorbild des Kiewer Höhlenklosters. Es sind die einzigen künstlich angelegten Klosterhöhlen Zentralrusslands: zwei unterirdische Kirchen, eine Kapelle, Zellen, eine Quelle. Die Führung dauert gut eine Stunde.

Wann und wie

Vom Jaroslawler Bahnhof in Moskau fährt etwa alle halbe Stunde eine Elektritschka, Fahrzeit gut eine Stunde. Mit dem Bus geht es ab der Metro WDNCh. Das Klostergelände ist täglich frei zugänglich, nur das Museum kostet Eintritt. Weil das Kloster aktiv ist, gilt die Kleiderordnung überall auf dem Gelände, nicht erst in den Kirchen. Frauen tragen Rock statt Hose und bedecken Kopf und Schultern, Männer verzichten auf Shorts und Kopfbedeckung. Ein Kopftuch bringst du am besten selbst mit.

Am besten kommst du im Mai oder Juni, sonst im September. Der Winter ist optisch am stärksten, blaue Sternkuppeln über Schnee, aber er ist kalt und die Tage sind kurz.

Zwei Termine solltest du meiden, wenn du Ruhe suchst: 18. Juli und 8. Oktober. Dann sind die Sergius-Festtage und Zehntausende Pilger da.

Das klassische Postkartenfoto der Anlage machst du vom Aussichtspunkt Blinnaja Gora, dem Pfannkuchen-Hügel auf der anderen Seite des Prospekts Krasnoi Armii, keine zehn Gehminuten vom Bahnhof entfernt.

Nimm etwas aus der Klosterbäckerei mit. Für manche Moskauer ist sie der eigentliche Grund herzufahren. Dazu passt ein Kwas oder eine Medowucha von einem der Stände ums Kloster.

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