Pereslawl-Salesski
Ein See so groß wie ein Meeresarm und Peters einziges erhaltenes Boot. Dazu ein Stein, um den sich Legenden ranken.
Pereslawl-Salesski hat einen Bahnhof. An ausgewählten Wochenenden fährt der „Pereslawler Express“ direkt aus Moskau in die Stadt. An den anderen Tagen kommst du mit Bus oder Auto.
Wenn du den Zug nehmen willst, prüfst du den konkreten Verkehrstag vorher bei RŽD. Der Fahrplan ändert sich.
Eine Mörderliste an der Wand einer Kathedrale von 1152
Die Verklärungskathedrale ist winzig, weiß, fast quadratisch, eine einzige Kuppel. Sie ist das älteste erhaltene Weißsteingebäude der Nordost-Rus und sieht heute im Wesentlichen aus wie vor achteinhalb Jahrhunderten. Innen wirkt sie klein und karg. Diese Schlichtheit ist der Punkt.
2015 fanden Forscher an ihrer Südapsis ein eingeritztes Graffito von 1175 oder 1176. Mit einer 3D-Modellierung ließ sich der beschädigte Text fast vollständig lesen. Die Namensliste nennt zwölf Mörder des Großfürsten Andrei Bogoljubski. Danach folgen ein Fluch über die Täter und ein „ewiges Gedenken“ für den Ermordeten.
Jemand hat vor 850 Jahren an eine Kirchenwand geschrieben, wer es gewesen ist. Und es steht heute noch da.
Für Besucher ist die Kathedrale nur von Mai bis Oktober geöffnet.
Der See ist der Hauptdarsteller
Der Pleschtschejewo-See ist maximal 24,3 Meter tief. Die tiefste Stelle liegt im Nordwesten; die Ufer fallen flach ab und sind sandig. Man watet weit hinaus, bevor es tief wird. Auf dem Wasser sind Windsurfer und Kiter unterwegs, dazu Stand-up-Paddler.
Im Herbst schluckt der Nebel das gegenüberliegende Ufer, und die Ufer riechen nach Schilf und feuchtem Holz.
Rings um den alten Kern läuft ein etwa 2,5 Kilometer langer Erdwall aus der Gründungszeit. Heute ist er ungefähr zehn Meter hoch. Man kann oben herumgehen. Zwischen den Kirchen blickt man in die Gärten und Hinterhöfe einer russischen Kleinstadt.
Das Boot, aus dem eine Flotte wurde
Auf einem Hügel über dem See steht die „Fortuna“, das einzige erhaltene Boot aus der „Lustflotte“, die der junge Peter I. zwischen 1688 und 1693 auf diesem See aufbauen ließ. Ein Brand zerstörte 1783 alle übrigen Schiffe. Die „Fortuna“ überstand ihn, weil sie separat lagerte.
Die „Fortuna“ ist 7,34 Meter lang und 2,38 Meter breit. Sie war für fünf Riemenpaare ausgelegt. Die Übungen auf dem See waren ein früher Schritt beim Aufbau der russischen Kriegsmarine.
Das Haus dazu wurde 1803 eingeweiht und gilt als das älteste Provinzmuseum Russlands.
Zwei goldene Fische im Wappen
Im Stadtwappen schwimmen zwei Fische, und das hat einen Grund. Die Rjapuschka, eine kleine Maräne aus dem See, hieß am Zarenhof „Zarenhering“. Geräuchert kam sie bei herrschaftlichen Festessen auf den Tisch.
1668 erging ein Fangverbot für zu kleine Fische, einer der ersten russischen Naturschutzerlasse überhaupt. Heute steht die Pereslawler Rjapuschka im Roten Buch. Angeboten wird sie trotzdem. Ob der Fisch wirklich aus dem geschützten Bestand des Sees stammt, lässt sich ohne Herkunftsnachweis nicht prüfen.
Der Blaue Stein
Am Nordostufer liegt ein Findling von etwa zwölf Tonnen. Trocken ist er grau. Nass wird er blau.
In vorchristlicher Zeit war er ein Kultobjekt, und die Geschichte, die man sich erzählt, geht so: Ein Diakon ließ ihn vergraben. Jahre später soll er wieder oben gelegen haben. Dann wollte man ihn übers Wintereis abtransportieren, das Eis brach, der Stein sank in etwa fünf Meter Tiefe. Fischer bemerkten später, dass er sich langsam am Grund bewegte.
Heute liegt er wieder am Ufer und ragt nur flach aus dem Boden.
Für die Besucherzone am Stein brauchst du grundsätzlich eine kostenpflichtige Genehmigung des Nationalparks. Sie ist täglich von 8 bis 21 Uhr geöffnet.
Ein Bügeleisenmuseum und im Ort Talizy das Schmalspurbahnmuseum „Kukuschka“, in dem du einen Kilometer mit der Handdraisine fahren kannst. Pereslawl sammelt.
Wann und wie
Rund 135 Kilometer nordöstlich von Moskau, mit dem Bus in zwei bis drei Stunden. Die Stadt selbst ist gut zu Fuß zu machen; alles Weitere, vom Bootsmuseum bis zum Blauen Stein, braucht ein Fahrzeug und am besten zwei Tage.
Juli und August passen, wenn du an den See willst. Im Juli findet das Sommerfestival der Ballonfahrer statt. Wie viele Ballons tatsächlich starten und wo, entscheiden das jeweilige Programm und das Wetter. Der Startpunkt wird oft erst kurz vor dem Abheben veröffentlicht.
Oder Ende September, wenn Nebel und Herbstfarben über dem stillen See liegen. Fotografisch ist das die stärkere Zeit.