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Erlöserkathedrale mit goldener und grünen Kuppeln neben dem roten Glockenturm des Spaso-Jewfimi-Klosters in Susdal

Susdal: Ein Nachmittag zwischen Kuppeln und Kuhwiesen

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Vom Kreml bis zum Erlöserkloster sind es keine drei Kilometer. Zu Fuß eine gute halbe Stunde, wenn du durchläufst. Was niemand tut.

Denn auf dieser Strecke liegen: eine Wiese, die seit 1999 unter Schutz steht, das Grab einer Frau, die ein Großfürst wegsperren ließ, weil sie ihm keinen Sohn gebar, ein Kloster, das fast anderthalb Jahrhunderte lang Gefängnis war, und das Flussufer, an dem 1965 eine Glocke gegossen wurde, die nie geläutet hat.

Das ist der Grund, warum ein Nachmittag in Susdal reicht. Und warum er nicht reicht.

Die Strecke, in einem Satz

Susdal liegt an der Kamenka wie an einer Schnur aufgezogen. Im Süden der Kreml auf seinen Erdwällen, in der Mitte die Handelsreihen am Marktplatz, im Norden hinter einer Flussschleife die beiden großen Klöster: links das Pokrowski-Kloster, rechts auf der Anhöhe das Spaso-Jewfimi-Kloster mit den roten Mauern.

Die Hauptstraße heißt Lenina und führt an allem vorbei. Verlaufen kann man sich nicht. Interessanter ist der Weg unten am Wasser.

Die Wiese steht unter Schutz, per Erlass

Der Blick, den du von den Kremlwällen aus hast, sieht aus wie ein glücklicher Zufall: Fluss, Wiese, dahinter Kuppeln und kein einziges Hochhaus. Er ist keiner.

Gegenüber dem Kreml, auf dem rechten Ufer der Kamenka, liegt der Iljinski Lug, die Elias-Wiese. Seit dem 19. April 1999 ist er per Erlass des Gebietsoberhaupts von Wladimir ein Landschaftsschutzgebiet: 40,8 Hektar Auwiese, mitten in der Stadt. Insgesamt gehören zu Susdal knapp 149 Hektar Wiesenland. Flächen, auf denen in jeder anderen Kleinstadt längst gebaut worden wäre.

Der Schutzzweck steht trocken im Papier: Sauberkeit der Kamenka und des Grundwassers, Erhalt der Auenflora. Das Ergebnis ist der Blick, für den die Leute anreisen.

Und wenn dort Kühe stehen, sind sie keine Dekoration. Die Wiese wird genutzt.

Die Frau, die man wegsperrte, weil sie kinderlos blieb

Das Pokrowski-Kloster, 1364 gegründet, war jahrhundertelang die Adresse für Frauen, die im Weg standen. Man schickte sie nicht ins Exil, man schickte sie hierher.

Die bekannteste ist Solomonija Saburowa. Sie heiratete am 4. September 1505 den späteren Großfürsten Wassili III. Zwanzig Jahre blieb die Ehe kinderlos. Am 25. November 1525 wurde sie in Moskau gegen ihren Willen zur Nonne geschoren, auf den Klosternamen Sofia, und nach Susdal gebracht. Hier starb sie am 18. Dezember 1542. 2007 wurde sie gesamtkirchlich heiliggesprochen.

Knapp zweihundert Jahre später wiederholte sich das Muster: Im September 1698 ließ Peter I. seine erste Frau Jewdokija Lopuchina zur Nonne scheren und ebenfalls nach Susdal bringen. Sie überlebte ihn und kam erst unter ihrem Enkel wieder frei.

Der kaiserliche Gesandte Sigismund von Herberstein notierte das Gerücht, Solomonija sei bei ihrer Verbannung schwanger gewesen und habe hier einen Sohn namens Georg geboren. Das Volkslied macht aus ihm später den Räuber Kudejar. Als der Susdaler Museumsleiter Alexej Warganow 1934 neben ihrem Grab eine kleine Grablege öffnete, fand er kein Kind, sondern ein Bündel. Überliefert ist eine Stoffpuppe in einem bestickten Hemdchen. Historiker halten dagegen, dass von dieser Öffnung kein Protokoll existiert. Es ist eine Legende, aber eine mit Fundstelle.

Ein Kloster, das fast anderthalb Jahrhunderte Gefängnis war

Auf der anderen Seite der Flussschleife steht das Spaso-Jewfimi-Kloster. Seine Mauern entstanden zwischen 1670 und 1680, sind 1200 Meter lang und haben zwölf Türme; der Eingangsturm misst 22 Meter. Von außen ist es die wehrhafteste Anlage der Stadt.

Von innen war es lange etwas anderes. 1766 ordnete Katharina II. hier ein Gefängnis an, amtlich für „wahnsinnige Arrestanten“, tatsächlich vor allem für religiös Abweichende. Die Zellen füllten sich mit Namen, die man heute im Museum nachlesen kann: der Sektenführer Kondrati Seliwanow, von 1820 bis zu seinem Tod 1832 hier; der Seher Awel, 1826 bis 1841; der Dekabrist Fjodor Schachowskoi, der 1829 hier starb. 1881 setzte sich Lew Tolstoi für die Freilassung der Gefangenen ein. Geschlossen wurde das Gefängnis erst 1905, von 1923 bis 1939 diente die Anlage erneut als Haftort.

Der Gefängnistrakt ist heute Museum. Man geht durch die Gänge und schaut in die Zellen, und es ist der stillste Ort in einer Stadt, die sonst aus Kuppeln besteht.

An der Ostwand der Erlöserkathedrale liegt außerdem das Grab von Dmitri Poscharski, desselben Fürsten, der 1612 von Jaroslawl aus nach Moskau zog. Wenn du beide Städte besuchst, schließt sich hier ein Kreis.

Die Glocken, und wann sie spielen

Auf der Glockenwand des Klosters hängt ein vollständiges Geläut, und ein Glöckner spielt es mehrmals täglich. Es dauert wenige Minuten und ist der Grund, hier nicht einfach durchzulaufen.

Wichtig: Die Zeiten hängen am Kassenhäuschen und wechseln mit der Saison. Frag beim Ticketkauf danach und plane den Rundgang darum herum. Sonst stehst du auf dem Hof, während gerade nichts läutet. An Wochenenden gibt es zeitweise auch Führungen hinauf zur Glockenwand.

Ebenfalls prüfen: Das Museum ist montags geschlossen, dazu am letzten Donnerstag im Monat.

Die Glocke, die nie geläutet hat

Und damit zur besten Geschichte, die dieser Ort zu bieten hat.

Am Fuß des Klosters, unten am Kamenka-Ufer, drehte Andrej Tarkowski 1965 die Schlussnovelle von „Andrej Rubljow“. Sie heißt „Die Glocke“ und erzählt von dem Halbwüchsigen Boriska, der nach einer Seuche behauptet, sein toter Vater habe ihm das Geheimnis des Glockengusses verraten. Er bekommt den Auftrag, treibt Hunderte Männer wochenlang an, die Glocke wird gegossen, und sie klingt. Danach gesteht er weinend, dass sein Vater ihm nie etwas verraten hat.

Seit dem 29. Juli 2017 steht genau an dieser Stelle ein Denkmal: eine vier Meter hohe Glocke, davor Tarkowski, Rubljow und Boriska. Die Bildhauerin ist Maria Tichonowa, die Idee stammt von Nikolai Burljajew, dem Schauspieler, der 1965 den Boriska gespielt hat.

Über dir läutet ein echtes Geläut. Unten am Fluss steht die Glocke aus dem Film, die keinen Ton von sich gibt. Näher kommen zwei Susdaler Geschichten nicht zusammen.

Wenn du wirklich nur einen Nachmittag hast

  • Reihenfolge: Kreml und Wallblick zuerst, dann am Wasser entlang nach Norden, Pokrowski-Kloster, zuletzt das Spaso-Jewfimi-Kloster. So läufst du bergauf ins beste Nachmittagslicht und hast das Geläut am Ende.
  • Zeitbedarf: Für die Strecke ohne Innenräume reichen zwei Stunden. Mit dem Gefängnismuseum und dem Holzarchitekturmuseum wird ein voller Tag daraus.
  • Anreise: Susdal hat keinen Bahnhof. Immer über Wladimir: „Lastotschka“ ab Moskau, dann Bus, rund vierzig Minuten.
  • Der eigentliche Rat: Übernachte. Die Bustouren fahren am späten Nachmittag ab, und die Stadt, die dann übrig bleibt, ist eine andere.

Alle Fakten zu Anreise und Reisezeit stehen kompakt im Städteporträt Susdal.

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