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Glockenturm und Kirchen im Hof des Spaso-Preobraschenski-Klosters in Jaroslawl unter blauem Himmel

Jaroslawl: Wo die Wolga der Stadt den Takt gibt

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Fast jede Stadt am Goldenen Ring liegt an einem Flüsschen. Jaroslawl liegt an der Wolga, und die ist hier schon so breit, dass das andere Ufer eine eigene Gegend ist.

Der Fluss erklärt die Stadt vollständig: Wo die Kotorosl in die Wolga mündet, wurde sie gegründet. Vom Wasser kam der Handel, vom Handel das Geld, vom Geld die Kirchen. Und als die Stadt einmal für ein paar Monate das Zentrum des Landes war, lag das ebenfalls am Fluss. Man kam von hier aus überall hin.

Ein Tag an der Wolga, in der Reihenfolge, in der man ihn am besten läuft.

Der älteste Stein der Stadt

Angefangen wird dort, wo die Kotorosl mündet: im Spaso-Preobraschenski-Kloster, das die Jaroslawler selbst „den Kreml“ nennen, obwohl es keiner ist.

Die Erlöserkathedrale im Hof wurde nach dem großen Brand von 1501 zwischen 1506 und 1516 neu gebaut und ist damit das älteste erhaltene Gebäude Jaroslawls. Ihre Fresken von 1563/64 sind eines von nur zwei erhaltenen Freskenensembles aus der Zeit Iwans des Schrecklichen im ganzen Land.

Ein Kloster ist das seit langem nicht mehr, sondern Museum. Auf die Glockenwand kann man hinauf, und von dort sieht man, was die Fotos vom Ufer nicht zeigen: wie nah sich die beiden Flüsse hier kommen.

Vier Monate Hauptstadt

Im April 1612 zog das zweite Landesaufgebot unter Kusma Minin und Dmitri Poscharski in Jaroslawl ein und blieb vier Monate. In dieser Zeit war die Stadt faktisch die Hauptstadt des Landes.

Im Spasski-Kloster tagte der „Rat des ganzen Landes“, hier bekam er seine endgültige Form, hier führten Minin und Poscharski ihn offiziell an. Von hier wurden Truppen aufgestellt und Steuern eingezogen, und hier wurde eigenes Geld geprägt: Münzen mit dem Namen des letzten Rurikiden-Zaren Fjodor Iwanowitsch.

Poscharski selbst liegt übrigens nicht hier begraben, sondern gut zweihundert Kilometer weiter südlich, in Susdal, dort an der Ostwand der gleichnamigen Erlöserkathedrale des Spaso-Jewfimi-Klosters.

Ein Buch, das es nur einmal gab

In den 1790er Jahren erwarb der Sammler Alexej Musin-Puschkin aus den Büchern des letzten Klostervorstehers eine Handschrift. Es war das „Igorlied“, das berühmteste Werk der altrussischen Literatur: ein Kriegszug des 12. Jahrhunderts, erzählt in einer Sprache, die sonst nirgends überliefert ist.

Es war das einzige Exemplar. Beim Moskauer Brand von 1812 verbrannte es zusammen mit Musin-Puschkins Bibliothek. Erhalten sind nur der Druck von 1800 und eine Abschrift.

Deshalb streiten sich Philologen seit über zweihundert Jahren, ob der Text echt ist. Prüfen lässt es sich nicht mehr. Der Fundort ist ein Hof, durch den man heute in fünf Minuten hindurchgeht.

Der Bär, der in Rente ging

Im Wappen der Stadt steht ein Bär mit einer goldenen Streitaxt. Auf dem Klostergelände lebte lange auch ein echter.

Die Bärin Mascha wurde 1988 in den Wäldern des Gebiets Wologda geboren; ihre Mutter wurde von Wilderern erschossen. Im Sommer 1990 nahm das Museum sie auf. Sie ist heute achtunddreißig Jahre alt und damit die älteste Bärin Russlands.

Vorher wissen: Seit April 2023 ist Mascha im Ruhestand und empfängt keine Besucher mehr. Der Trubel am Gehege war ihr zu viel geworden. Von Mitte November bis in den April hält sie ohnehin Winterschlaf. Du wirst sie also nicht sehen. Die Geschichte gehört trotzdem zur Stadt.

Die Promenade, die ein Kaiser bezahlt hat

Vom Kloster geht es nach Norden ans Wolgaufer. Dass man dort überhaupt spazieren kann, ist das Ergebnis eines Besuchs.

1823 kam Kaiser Alexander I. nach Jaroslawl und sah ein verwahrlostes, abrutschendes Flussufer. Gouverneur Alexander Besobrasow nutzte die Gelegenheit und bat um Geld; der Kaiser bewilligte 20.000 Rubel. Im Mai 1825 begannen die Arbeiten nach dem Entwurf des Ingenieurs Germes: Die Hänge wurden abgeböscht, mit Rasen befestigt, der untere Teil mit Bruchstein gesichert.

1840 kam die kleine weiße Rotunde dazu, die auf jedem zweiten Jaroslawl-Foto steht. Sie war die erste von vier Pavillons dieser Art in der Stadt.

Zwei Ebenen hat die Promenade: oben die Allee mit dem gusseisernen Geländer, unten der Weg direkt am Wasser. Die untere ist die stillere.

Die Kathedrale, die zweimal gebaut wurde

Am Ende der Promenade, auf der Landzunge, steht die Uspenski-Kathedrale. Sie sieht alt aus. Sie ist es nicht.

Der Vorgängerbau diente ab 1930 als Getreidespeicher und wurde am 26. August 1937 gesprengt. Danach lag die Stelle rund siebzig Jahre leer. Grundsteinlegung für den Neubau war der 26. Oktober 2004, geweiht wurde er am 12. September 2010, rechtzeitig zum tausendjährigen Stadtjubiläum. Bis zum Kreuzfuß misst er fünfzig Meter.

Zum selben Jubiläum entstand daneben das Denkmal für tausend Jahre Jaroslawl: eine zwanzig Meter hohe Granitsäule mit einem bronzenen Doppeladler. Der Park auf der Landzunge, die Strelka, wurde 2010 komplett neu angelegt, mit drei Licht-und-Musik-Fontänen.

Der Legende nach traf Jaroslaw der Weise genau hier, an der Mündung, auf eine Bärin und erschlug sie mit der Axt. Daher der Bär im Wappen. Ein historischer Bericht ist das ausdrücklich nicht, aber es ist die Geschichte, die die Stadt über sich selbst erzählt.

Wenn es regnet: der Sternenhimmel

Jaroslawl hat für schlechtes Wetter ein ungewöhnlich gutes Angebot, und es hat einen persönlichen Grund.

Valentina Tereschkowa, die erste Frau im All, wurde am 6. März 1937 im Dorf Bolschoje Maslennikowo im Gebiet Jaroslawl geboren. Ihre Mutter arbeitete in der Jaroslawler Textilfabrik „Krasny Perekop“, später auch sie selbst. Springen lernte sie 1959 im Jaroslawler Fallschirmsportklub. 126 Sprünge brachten sie 1961 ins Kosmonautenkorps, 1963 flog sie.

Das nach ihr benannte Kultur- und Bildungszentrum wurde am 7. April 2011 eröffnet, zum fünfzigsten Jahrestag des ersten bemannten Raumflugs. Der Sternensaal hat eine Kuppel von zwölf Metern Durchmesser und 300 Quadratmetern Fläche, auf die 7.500 Sterne projiziert werden. Dazu kommen eine Sternwarte mit drehbarer Fünf-Meter-Kuppel und einem Teleskop von 203 Millimetern Öffnung sowie ein Museum zur Raumfahrtgeschichte.

Eine Frau aus einem Dorf an der Wolga, die über dieser Stadt das Fallschirmspringen gelernt hat. Das erzählt sich hier besser als anderswo.

Wenn du wirklich nur einen Tag hast

  • Reihenfolge: Kloster zuerst, dann die Wolgapromenade nach Norden bis zur Strelka mit der Uspenski-Kathedrale, zurück über die Innenstadt. So hast du das Wasser am Nachmittag im günstigen Licht.
  • Zeitbedarf: Diese Runde ist ein halber Tag. Der zweite halbe gehört den Kirchen: Elias-Kirche im Zentrum, Korowniki auf der anderen Seite der Kotorosl.
  • Anreise: „Lastotschka“ ab dem Jaroslawler Bahnhof in Moskau, knapp drei Stunden. Mit dem Auto rund 270 Kilometer über die M8.
  • Wann: Mai bis Anfang Oktober, wenn die Innenräume offen sind und Schiffe fahren. Februar und März sind die Alternative für alle, die Licht und Leere über Innenräume stellen.

Alle Fakten zu Anreise und Reisezeit stehen kompakt im Städteporträt Jaroslawl.

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