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Die Schubladen eines hölzernen Karteischranks mit Messinggriffen und beschrifteten Schildchen im warmen Licht

Gosuslugi, SNILS und INN: Der Behördenteil

4 Min. Lesezeit

Gosuslugi ist das staatliche Portal für Behördengänge, ungefähr das, was in Deutschland über ein Dutzend verschiedener Ämterseiten verteilt liegt. Arzttermin buchen, Bußgelder zahlen, Nebenkosten begleichen, Steuersachen, Aufenthaltsanträge. Für Ausländer hängt daran zusätzlich etwas, das es in Deutschland nicht gibt: ohne bestätigtes Konto bekommst du keine SIM-Karte.

Damit ist das Portal kein Komfortwerkzeug, sondern ein Nadelöhr.

Zwei Abkürzungen, die du sofort brauchst

SNILS ist die russische Sozialversicherungsnummer. Sie ist kein Sozialleistungsanspruch, sondern schlicht deine Kennnummer im System. Ohne sie prüft Gosuslugi deine Identität nicht, und ohne diese Prüfung kommst du nicht über die unterste Stufe hinaus.

INN ist die Steuernummer. Für die Registrierung bei Gosuslugi brauchst du sie nicht, sie erscheint später von selbst im Profil, sobald deine Passdaten bestätigt sind. Für ein Arbeitsverhältnis und bei vielen Banken brauchst du sie sehr wohl.

Beide sind kostenlos. Der einzige Posten, der wirklich Geld kostet, ist die notariell beglaubigte Übersetzung deines Passes, etwa 2.000 bis 3.000 Rubel. Die brauchst du für praktisch jeden Schritt, also lass sie gleich zu Anfang machen.

Ja, du kannst ein Konto anlegen

Der übliche Registrierungsweg über eine russische Bank steht nur russischen Staatsbürgern offen. Für alle anderen gibt es die Schaltfläche „Другой способ регистрации“, also „anderer Registrierungsweg“.

Und hier die Entwarnung zu einem verbreiteten Missverständnis: Das Feld für die Mobilnummer darf leer bleiben. Es genügt, Name und E-Mail-Adresse anzugeben, die Bestätigung kommt dann per Link an die Mailadresse. Du brauchst also keine russische Nummer, um überhaupt anzufangen. Das ist wichtig, weil du die Nummer ja gerade erst über dieses Konto bekommen willst.

Praktisch wirst du später trotzdem eine russische Nummer brauchen, weil viele Vorgänge über SMS bestätigt werden. Für den Einstieg ist sie aber keine Voraussetzung.

Die drei Stufen

StufeVoraussetzungWas damit geht
vereinfachtNur E-Mail oder Nummerfast nichts
Standardzusätzlich SNILS und PassdatenArzttermine, Bußgelder, Schulden, Nebenkosten
bestätigtIdentitätsfeststellung vor Ortalles, auch SIM-Karte, Meldung, Aufenthaltsanträge

Der Sprung von Standard auf bestätigt ist der entscheidende, und für Ausländer führt er über einen persönlichen Termin im MFC. Das ist das russische Bürgeramt, es heißt „Мои документы“, also „Meine Dokumente“, und funktioniert als Anlaufstelle für viele Behördenleistungen an einem Schalter.

Ein praktischer Kniff: Du kannst das Konto auch direkt im MFC anlegen lassen. Dann ist es sofort bestätigt und du sparst dir den Zwischenschritt.

Die Reihenfolge

Sie ergibt sich aus den Vorgaben des staatlichen Biometriebetreibers und lässt sich nicht umstellen.

  1. Migrationserfassung durch die aufnehmende Seite, also Vermieter, Gastgeber oder Hotel. Sie liefert den Nachweis des rechtmäßigen Aufenthalts, den danach jede Stelle sehen will.
  2. Notariell beglaubigte Passübersetzung. Voraussetzung für alles Weitere.
  3. SNILS beim Sozialfonds oder im MFC. Formular ADW-1, kostenlos. Beim persönlichen Erscheinen offiziell in Minuten erledigt, über das MFC berichten Betroffene eher von einigen Tagen.
  4. Warten. Rechne mit etwa zwei Wochen, bis SNILS in allen Systemen angekommen ist.
  5. Gosuslugi-Konto anlegen und im MFC auf die bestätigte Stufe heben.
  6. Biometrie in einer Bankfiliale. Kostenlos, ohne dass du Kunde sein musst.
  7. SIM-Karte im Laden des Anbieters.
  8. Bankkonto, danach bei Bedarf INN.

Schritt 4 wird gern übersprungen und rächt sich sofort. Ein SNILS, der jünger als zwei Wochen ist, fällt bei der automatischen Prüfung durch, und du sitzt vor einer Fehlermeldung, die dir nicht sagt, woran es liegt.

Realistisch dauert die ganze Kette ein bis zwei Wochen. Theoretisch ginge sie an einem Tag, praktisch verliert jeder Schritt ein bis fünf Tage.

Woran es schiefgeht

Die automatische Prüfung deiner Daten scheitert meist an denselben vier Dingen: Tippfehler bei Name oder Passnummer, ein SNILS, der auf einen alten Pass ausgestellt wurde, ein zu frischer SNILS, oder Passdaten, die noch nicht beim Sozialfonds angekommen sind. In allen Fällen hilft abwarten und dann persönlich vorsprechen.

Das MFC kann SNILS verweigern, wenn die Migrationserfassung fehlt. Deshalb steht sie an erster Stelle.

Und die Sprache: Das Portal gibt es nur auf Russisch. Eine offizielle englische Oberfläche existiert nicht. Das Personal im MFC spricht in aller Regel ebenfalls kein Englisch, und Berichte nennen die Unsicherheit der Mitarbeiter bei Ausländervorgängen als Hauptproblem. Die Browser-Übersetzung hilft am Bildschirm, am Schalter nicht. Wenn du niemanden hast, der übersetzt, plane das ein.

Zwei Dinge an der Grenze

Seit Ende 2024 werden bei der Einreise Fingerabdrücke und ein Gesichtsbild genommen, inzwischen an allen technisch ausgerüsteten Übergängen. Ausgenommen sind unter anderem Kinder unter sechs Jahren und Diplomaten. Das betrifft dich als Deutschen also ganz normal.

Die App Gosuslugi RuID und die Pflicht, die Einreise 72 Stunden vorher elektronisch anzumelden, gelten dagegen nach derzeitigem Stand nur für Menschen, die visumfrei einreisen. Als Deutscher brauchst du ein Visum und fällst damit nicht darunter. In Foren wird das oft pauschal behauptet, und es stimmt für dich nicht. Weil die Quellenlage hier nicht ganz eindeutig ist, prüfe es vor der Reise trotzdem kurz.


Stand dieses Beitrags: 25. Juli 2026. Quellen unter anderem: Sozialfonds Russlands zu SNILS, Steuerbehörde zum INN, staatlicher Betreiber des Biometriesystems zur Reihenfolge für Ausländer. Die Abläufe unterscheiden sich regional und ändern sich häufig. Frag im MFC vor Ort nach, was dort gilt.

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