Geld in Russland: Konto, Karte und der teuerste Irrtum
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Von allen Themen rund um einen Umzug nach Russland ist Geld das mit dem größten Abstand zwischen dem, was Leute vermuten, und dem, was tatsächlich gilt. Der Beitrag fängt deshalb nicht mit der Kontoeröffnung an, sondern mit dem Punkt, an dem Deutsche sich strafbar machen, ohne es zu ahnen.
Der teuerste Irrtum: Bargeld mitnehmen
Deine deutsche Karte funktioniert in Russland nicht. Das Auswärtige Amt schreibt es so: Karten wie Visa und Mastercard, Bezahlapps, Abheben am Automaten und Überweisungen nach Russland sind gegenwärtig nicht möglich. Daraus zieht fast jeder denselben Schluss: Dann nehme ich mein Geld eben bar mit.
Genau das ist verboten.
Artikel 5i der EU-Verordnung 833/2014 untersagt seit dem 2. März 2022 die Ausfuhr von Euro-Banknoten nach Russland. Betragsunabhängig. Es gibt keine Freigrenze, ab der es losgeht. Erlaubt ist allein der „persönliche Gebrauch“ einer reisenden Person.
Wie eng das gemeint ist, hat der Europäische Gerichtshof am 30. April 2025 entschieden. Der Fall betraf jemanden, der 14.855 Euro nach Russland bringen wollte, um dort eine medizinische Behandlung zu bezahlen. Das Gericht stellte fest: Persönlicher Gebrauch umfasst nur Ausgaben, die unmittelbar mit Reise und Aufenthalt zusammenhängen, also Unterkunft, Transport und Verpflegung. Eine Behandlung gehört nicht dazu. Die EU-Kommission zählt in ihren Hinweisen ausdrücklich auf, was ebenfalls nicht darunter fällt: Ersparnisse, die man zurückholt, Geld für Angehörige oder Bekannte, Lohn über den eigenen Reisebedarf hinaus.
Das Auswärtige Amt beziffert die Praxis nüchtern: Erfahrungsgemäß werde maximal ein Betrag im unteren bis höchstens mittleren dreistelligen Bereich gestattet. Wie eng Gerichte das auslegen, zeigt ein Frankfurter Fall: Von 11.000 Euro, die jemand für eine Zahnbehandlung mitnehmen wollte, beschlagnahmte der Zoll 10.500 Euro. Übrig blieben 500 Euro als anerkannter Reisebedarf, mehr nicht.
Ein Verstoß ist keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat nach dem Außenwirtschaftsgesetz, mit einem Strafrahmen von drei Monaten bis fünf Jahren. Der Versuch genügt. Das Geld wird an der Grenze zunächst sichergestellt, die endgültige Einziehung ordnet anschließend das Strafverfahren an.
Und der Punkt, an dem die meisten hängenbleiben: Die Pflicht, ab 10.000 Euro Barmittel beim Zoll anzumelden, ist ein völlig anderes Regelwerk. Du kannst korrekt anmelden und trotzdem eine Straftat begehen. Die Anmeldung macht die Ausfuhr nicht erlaubt, sie macht sie nur sichtbar.
Wer ernsthaft Vermögen nach Russland verlagern will, braucht dafür einen Fachanwalt für Außenwirtschaftsrecht, bevor er zum Flughafen fährt. Nicht danach.
Kann ich überhaupt ein Konto eröffnen?
Ja, bei einer nicht sanktionierten Bank ist das weder auf russischer noch auf europäischer Seite verboten. Bei einer sanktionierten Bank liegt der Fall anders, dazu mehr im nächsten Abschnitt. Der Aufwand für die Kontoeröffnung selbst ist seit 2025 in beiden Fällen erheblich gewachsen.
Was Banken üblicherweise verlangen:
- Reisepass mit notariell beglaubigter Übersetzung
- gültige Migrationskarte
- Nachweis des rechtmäßigen Aufenthalts, also Visum, Patent oder Aufenthaltstitel
- Migrationsregistrierung am Wohnort
- INN, die Steuernummer, je nach Bank
Es gibt keine einheitliche gesetzliche Liste. Die Anforderungen unterscheiden sich je Bank, teils je Filiale. Ruf vorher an und frag, ob die konkrete Filiale Ausländer bedient.
Wichtig für die Reihenfolge: Ohne russische Handynummer ist Online-Banking praktisch unbrauchbar, weil Bestätigungscodes per SMS kommen. Die SIM-Karte ist damit faktisch die erste Bankhürde, und für die brauchst du SNILS und ein bestätigtes Konto bei Gosuslugi. Plane in dieser Kette, nicht in Einzelschritten.
Ohne unbefristeten Aufenthaltstitel ist der Produktumfang oft eingeschränkt, das hängt aber von der Bank ab. Frag am Schalter nach, was mit deinem Aufenthaltsstatus überhaupt möglich ist, bevor du dich auf ein bestimmtes Produkt festlegst.
Welche Bank
Der Sanktionsstatus einer Bank ist keine Frage, die sich erst stellt, wenn Geld aus dem Ausland ankommen soll. Artikel 5h der EU-Verordnung 833/2014 verbietet EU-Bürgern unmittelbare wie mittelbare Transaktionen mit den in Anhang XIV gelisteten russischen Banken, und Artikel 13 derselben Verordnung gilt für deutsche Staatsangehörige auch außerhalb der EU, also auch in Russland selbst. Ob und wie sich das auf ein normales Konto für den russischen Alltag auswirkt, ist damit keine praktische Frage, sondern eine rechtliche.
Nach dem 21. EU-Sanktionspaket vom 23. Juli 2026 stehen über 100 russische Banken auf dieser Liste, darunter Sberbank, VTB, Alfa-Bank, T-Bank, MTS Bank, Ozon Bank und Wildberries Bank. Raiffeisenbank Russland und Gazprombank stehen nicht auf der EU-Liste. Gazprombank ist allerdings von den USA sanktioniert.
Was das für dein konkretes Konto bedeutet, ist eine Frage für einen Fachanwalt für Außenwirtschaftsrecht, nicht für einen Reiseblog. Wer das Risiko von vornherein umgehen will, eröffnet sein Konto bei einer nicht gelisteten Bank.
Diese Liste ändert sich mit jedem neuen EU-Sanktionspaket, nicht nach einem festen Rhythmus. Was hier steht, ist der Stand von Ende Juli 2026.
Mir-Karte und SBP
Zum Konto gehört eine Mir-Karte, das russische Kartensystem. In Russland ist sie Standard und funktioniert überall.
Außerhalb Russlands funktioniert sie unzuverlässig bis gar nicht. Die US-Behörden haben den Betreiber im Februar 2024 sanktioniert und ausländischen Banken mit Folgesanktionen gedroht, woraufhin Kasachstan und Kirgisistan die Akzeptanz weitgehend beendeten. Eine Ausnahme bleibt die kasachische VTB, die an eigenen Automaten weiter ausländische Mir-Karten annimmt. Im Westen funktioniert Mir nirgends. Ältere Ratgeber, die Türkei und Vereinigte Arabische Emirate nennen, sind überholt.
Wichtiger für den Alltag ist das SBP, das Sofortzahlungssystem der Zentralbank. Überweisungen laufen dort über die Mobilnummer, bankübergreifend, in Sekunden, bis 100.000 Rubel im Monat gebührenfrei. Rund 54 Prozent aller Privatüberweisungen in Russland laufen inzwischen darüber. Miete, Handwerker, geteilte Restaurantrechnung: Der Satz „schick es mir per SBP auf die Nummer“ ist Alltag.
Apple Pay und Google Pay funktionieren nicht. Es gibt russische Gegenstücke, Mir Pay allerdings nur unter Android. Wer die Wahl hat, ist in Russland mit einem Android-Gerät spürbar besser dran als mit einem iPhone.
Geld hinbringen, und wieder heraus
Überweisungen aus der EU treffen auf ein Feld, das mit jedem Sanktionspaket kleiner wird. Über die Hälfte der international angebundenen russischen Institute ist inzwischen erfasst. Western Union, MoneyGram, PayPal, Wise und Revolut haben das Russlandgeschäft schon 2022 eingestellt, Unistream fällt zum 13. August 2026 unter das Transaktionsverbot.
Zu den Umwegen, die im Netz kursieren, also Wechseldienste, Krypto-Routen und Vermittler in Drittstaaten: Ich beschreibe sie hier bewusst nicht. Nicht aus Vorsicht, sondern weil sich die Listen mit jedem neuen Sanktionspaket ändern und ein Weg, der heute funktioniert, danach ein Verstoß gegen das Transaktionsverbot sein kann. Was hier stünde, wäre in drei Monaten möglicherweise eine Anleitung zur Straftat.
Für die Gegenrichtung gelten eigene Regeln. Die russische Zentralbank hält Beschränkungen für Personen aus sogenannten unfreundlichen Staaten aufrecht, wozu Deutschland zählt. Für den Zeitraum vom 8. Juni bis 7. Dezember 2026 gilt: Wer in Russland arbeitet, darf höchstens sein Gehalt ins Ausland überweisen. Wer dort nicht arbeitet, darf derzeit nicht überweisen. Eine Ausnahme gilt für ausländische Investoren, die von einem eigens dafür vorgesehenen Konto des Typs „Ин“ aus überweisen. Diese Beschränkungen legt die Zentralbank halbjährlich neu fest, prüfe also den aktuellen Beschluss, wenn es konkret wird.
Eine eigene Regel, unabhängig von diesem Halbjahresrhythmus, gilt für die Ausfuhr von ausländischem Bargeld: höchstens 10.000 US-Dollar Gegenwert, unverändert seit März 2022.
Zwei Steuerwelten gleichzeitig
Das wird regelmäßig übersehen und ist teuer.
Wer einen unbefristeten Aufenthaltstitel bekommt, wird nach russischem Devisenrecht zum Residenten. Damit musst du der russischen Steuerbehörde die Eröffnung, Änderung und Schließung deines deutschen Kontos innerhalb eines Monats melden und jährlich bis zum 1. Juni über die Bewegungen berichten. Es gibt Befreiungen, etwa bei mehr als 183 Tagen Aufenthalt außerhalb Russlands.
Auf deutscher Seite: Solange du unbeschränkt steuerpflichtig bist, gehören Kapitalerträge aus dem russischen Konto in die Steuererklärung. Das Doppelbesteuerungsabkommen hat Russland 2023 einseitig teilweise ausgesetzt, Deutschland setzt es zum 1. Januar 2027 ebenfalls aus. Russland steht seit 2023 auf der EU-Liste nicht kooperativer Steuergebiete.
Dass zwischen beiden Ländern kein automatischer Kontendatenaustausch mehr stattfindet, beseitigt keine dieser Pflichten. Es erhöht nur die Versuchung, sie für unwichtig zu halten.
Ein Steuerberater mit Russlandbezug ist hier keine Kür.
Eine Entwarnung zum Schluss
Ein Punkt, der oft falsch verstanden wird: Das EU-Verbot, Zahlungsdienste und Karten für in Russland ansässige Personen bereitzustellen, gilt nicht für Staatsangehörige eines EU-Staats. Als deutscher Staatsbürger bleibst du davon ausgenommen, auch wenn du in Russland wohnst. Bestehende Konten müssen nicht geschlossen werden.
Das ist die Rechtslage. Davon zu trennen ist, wie deutsche Banken sich verhalten: Manche kündigen Konten, sobald eine russische Wohnanschrift hinterlegt wird. Das ist keine Sanktionsfolge, sondern eine Geschäftsentscheidung, und dagegen hilft der Hinweis auf die Ausnahme selten. Kläre mit deiner Bank, was sie vorhat, bevor du die Adresse änderst.
Stand dieses Beitrags: 26. Juli 2026. Das ist keine Rechts- oder Steuerberatung. Für die Punkte zu Bargeld, Geldtransfer, Bankkonten bei sanktionierten Instituten und Steuern brauchst du fachlichen Rat. Quellen unter anderem: Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts, EuGH-Urteil C-246/24 vom 30.04.2025, Amtsgericht Frankfurt zum Bargeld-Fall, BAFA zu Artikel 5h der Verordnung 833/2014, FAQ der EU-Kommission zu Banknoten und Zahlungsdiensten, Bank Rossii zum SBP, Bank Rossii zu den Transferbeschränkungen und zur Ausnahme für ausländische Investoren, Zoll zur Anmeldepflicht.