Zum Inhalt springen
Ein Fächer aus russischen Geldscheinen, überwiegend Tausender und Fünftausender

Bezahlen in Russland: Deine Karte funktioniert nicht

4 Min. Lesezeit

Das hier ist der Punkt, an dem Reisen nach Russland scheitern, und zwar nicht am Visum und nicht am Flug, sondern am zweiten Tag vor einem Kartenlesegerät.

Deine Karte funktioniert nicht. Keine deutsche Visa, keine Mastercard, keine American Express, kein Apple Pay und kein Google Pay. Nicht im Restaurant, nicht im Supermarkt, nicht am Geldautomaten und nicht in einem russischen Onlineshop. Das gilt seit März 2022 und hat sich seither nicht geändert.

Wer das erst am Automaten in der Ankunftshalle merkt, hat ein Problem, das sich vor Ort schwer lösen lässt.

Bargeld ist die Antwort, aber nicht in jeder Währung

Für eine Reise bedeutet das: Du nimmst dein Geld bar mit und wechselst es im Land. Dabei gibt es eine Regel, die kaum jemand kennt und die kein Detail ist.

Artikel 5i der EU-Verordnung 833/2014 verbietet seit dem 2. März 2022 die Ausfuhr von Banknoten nach Russland, die auf eine amtliche Währung eines EU-Mitgliedstaats lauten. Euro also, ebenso Zloty oder Kronen. Ein Verstoß ist eine Straftat, keine Ordnungswidrigkeit.

Erlaubt bleibt allein der persönliche Gebrauch der reisenden Person. Der Europäische Gerichtshof hat am 30. April 2025 festgelegt, was darunter fällt: Ausgaben, die unmittelbar mit Reise und Aufenthalt zusammenhängen, also Unterkunft, Fahrten und Verpflegung. Genau das ist bei einer Urlaubsreise der Fall. Ein Reisebudget für zwei Wochen ist damit gedeckt. Geld, das du für jemand anderen mitnimmst oder in Russland anlegen willst, ist es nicht. Wie eng die Praxis das auslegt, steht ausführlich im Beitrag über Bankkonto und Geld.

Der US-Dollar ist von diesem Verbot nicht erfasst. Er ist keine Währung eines EU-Mitgliedstaats, und deshalb greift Artikel 5i bei Dollarnoten nicht. Für Reisende ist das der praktische Ausweg: Dollar in Deutschland kaufen, in Russland in Rubel wechseln.

Unabhängig davon gilt die Anmeldepflicht beim Zoll ab einem Gegenwert von 10.000 Euro, und zwar für alle Bargeldarten zusammen. Die Anmeldung erlaubt nichts, sie macht nur sichtbar.

Wechseln: wo, und wo besser nicht

Wechsle nicht am Flughafen. Der Kurs dort ist regelmäßig ein Zehntel schlechter als in der Stadt, manchmal mehr. Nimm am Flughafen nur so viel, wie du für die Fahrt in die Stadt und das Abendessen brauchst.

In der Stadt wechselst du in einer Bankfiliale. Sberbank, WTB und Alfa-Bank haben in jeder größeren Stadt Filialen mit Wechselschalter. Du brauchst deinen Pass, der Vorgang dauert ein paar Minuten und wird dokumentiert.

Zwei Dinge, an denen es scheitert:

  • Die Scheine müssen einwandfrei sein. Eingerissene, beschriebene, geknickte oder ältere Serien werden regelmäßig abgelehnt. Hol dir das Geld bei deiner Bank in Deutschland als druckfrische Noten, nicht aus dem Umlauf.
  • Große Scheine bekommen den besseren Kurs. Für Hunderter gibt es oft ein paar Prozent mehr als für Zwanziger. Nimm eine Mischung mit, damit du beides kannst.

Was mit Karten trotzdem geht

Karten der Zahlungssysteme UnionPay aus manchen ausländischen Banken werden an einem Teil der russischen Terminals verarbeitet. Das funktioniert mal und mal nicht, hängt am ausgebenden Institut und am Terminal, und kontaktlos geht meistens gar nichts. Als Notreserve brauchbar, als Plan untauglich.

Die Mir-Karte ist die russische Karte, und sie funktioniert überall. Sie setzt allerdings ein russisches Bankkonto voraus, und dafür brauchst du Migrationskarte, erledigte Registrierung, meistens eine russische Handynummer und Zeit. Für einen Aufenthalt von zwei Wochen lohnt sich der Weg nicht.

Die angekündigte Touristenkarte. Seit 2024 gibt es das Vorhaben, eine Prepaid-Karte für ausländische Gäste auszugeben, die man vor der Reise aus dem Ausland aufladen kann. Sie wurde in Moskau getestet und mehrfach angekündigt. Verlässlich verfügbar ist sie bis heute nicht. Plane nicht damit, und freu dich, falls sie bis zu deiner Reise da ist.

Was das im Alltag heißt

Bargeld anzunehmen ist in Russland selbstverständlich, auch in Ketten und großen Restaurants. Du wirst nirgends schief angesehen, weil du bar zahlst. Was du beachten solltest:

  • Kleine Scheine sammeln. Der Fünftausender ist am Kiosk und im Bus unbeliebt und wird oft nicht gewechselt. Zerlege ihn im Supermarkt.
  • Taxi bar bestellen. In Yandex Go wählst du Bargeld als Zahlungsart, bevor du bestellst. Danach lässt es sich nicht mehr umstellen.
  • Museen und Bahntickets. Der Kartenverkauf vor Ort nimmt Bargeld. Die Onlinevorverkäufe wollen fast immer eine russische Karte.

Wenn das Geld ausgeht

Das ist der Grund, warum du großzügig kalkulierst. Geld aus der EU nach Russland zu schicken, funktioniert nicht mehr: Western Union, MoneyGram, PayPal, Wise und Revolut haben ihr Russlandgeschäft 2022 eingestellt, und der Rest wird mit jedem Sanktionspaket kleiner.

Praktisch bleibt für eine Reise nur, jemanden vor Ort mit russischem Konto zu haben. Wer niemanden kennt, rechnet das Budget lieber einmal zu hoch und wechselt den Rest am Ende zurück.

Wenn du wirklich nur eine Sache mitnimmst

Nimm US-Dollar in druckfrischen Scheinen mit, gemischt aus Hundertern und kleineren Noten, in Höhe deines Reisebudgets mit Reserve. Wechsle davon am Flughafen nur einen kleinen Teil und den Rest in einer Bankfiliale in der Stadt. Damit ist das Thema für die ganze Reise erledigt.

Teilen Telegram WhatsApp