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Die Uspenski-Kathedrale in Wladimir auf dem Kamm über der Stadt, kurz vor Sonnenaufgang

Wladimir

Eine Kirche als steinernes Bilderbuch, das einzige erhaltene Stadttor der vormongolischen Rus, und im April steht das berühmteste Motiv des Rings auf einer Insel.

Bevor Moskau Moskau wurde, war Wladimir das Zentrum der Rus. Was davon steht, steht seit dem 12. Jahrhundert, und seit 1992 steht es auf der UNESCO-Welterbeliste.

Die Stadt ist eine Doppelstadt: oben auf dem Kamm die Kathedralen, das Goldene Tor, die Fußgängerzone. Unten am Hang und zur Kljasma hin der Patriarchengarten, Terrassen, die Flussaue. Aus der Ferne wirkt Wladimir wie eine Silhouette, aus der Nähe wie ein Treppenhaus.

Ein steinernes Buch, das man ohne Fernglas lesen kann

Die Demetrius-Kathedrale aus den 1190er Jahren war die Palastkirche des Großfürsten Wsewolod „Großes Nest“. Ihre Außenwände sind fast vollständig mit weißsteinernen Reliefs bedeckt, und weil sie außen und in Augenhöhe beginnen, sind sie das seltene Beispiel mittelalterlicher Bildhauerei, die man ohne Eintritt und ohne Fernglas betrachten kann.

Was du dort konkret siehst:

  • König David mit der Gusli, umgeben von Tieren und Vögeln, im oberen Teil der Mittelfassade
  • An der Südfassade die Himmelfahrt Alexanders des Großen: Alexander in einem Korb, von zwei Greifen in den Himmel getragen. Ein antikes Sujet an einer orthodoxen Kirche in Mittelrussland
  • Lächelnde Löwen, Greife, der Vogel Sirin, Jäger, Reiter, dazu Fürst Wsewolod mit seinen fünf Söhnen

Wie viele Reliefs es genau sind, sagen die Quellen unterschiedlich: Das Museum zählt 1504 bearbeitete Steine, andere Nachschlagewerke rund 600 Reliefmotive, je nachdem, ob Steine oder Bildmotive gezählt werden.

Ein bitteres Detail: 1837 bis 1839 ließ Nikolaus I. die Kirche „restaurieren“. Dabei wurden die Treppentürme und Galerien abgerissen, weil man sie irrtümlich für spätere Zutaten hielt. Was heute dasteht, ist ein Torso des ursprünglichen Entwurfs.

Das Original der Kopie

Die Uspenski-Kathedrale wurde ab 1158 gebaut und nach dem Brand von 1185 zum Fünfschiff erweitert. Mit 32,3 Metern überragte sie die Sophienkathedralen von Kiew und Nowgorod, und das war eine Ansage.

Und sie war das Vorbild für die Uspenski-Kathedrale des Moskauer Kremls: Iwan III. schickte 1475 den Baumeister Aristotele Fioravanti eigens hierher, damit er sich ansieht, wie ein russischer Hauptdom auszusehen hat. Wer in Moskau war und dann hier steht, sieht das Original der Kopie.

1408 malten Andrej Rubljow und Daniil Tschorny die Kirche aus. Erhalten sind Fragmente, vor allem das Jüngste Gericht im Westteil. Erwarte keine vollständige Ausmalung; erwarte Fragmente, die sechshundert Jahre überstanden haben.

Das Goldene Tor

Gebaut zwischen 1158 und 1164, Bogenöffnung vierzehn Meter. Es ist das einzige erhaltene Stadttor der vormongolischen Rus; vergleichbare gab es in Kiew, Konstantinopel und Jerusalem.

Der Name kommt von den eichenen Torflügeln, die mit vergoldeten Kupferplatten beschlagen waren. Dass diese Flügel heute auf dem Grund der Kljasma liegen, ist eine Legende und nicht belegt.

Die runden Türme, die das Tor heute flankieren, sind von 1795. Was aussieht wie mittelalterliche Wehrhaftigkeit, ist klassizistische Ergänzung.

Im April steht die Kirche auf einer Insel

Zehn Kilometer außerhalb, bei Bogoljubowo, steht die Mariä-Schutz-Kirche an der Nerl, das meistfotografierte Motiv des Goldenen Rings.

Zwei Dinge, die auf keiner Postkarte stehen:

Erstens steht sie auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel von etwa drei Metern, das Fundament reicht mit 5,3 Metern ungewöhnlich tief hinab, denn der Frühjahrspegel dort kann um bis zu 3,5 Meter steigen. Das ist keine romantische Einsamkeit in der Wiese, das ist Ingenieursarbeit aus dem 12. Jahrhundert.

Zweitens: Jedes Frühjahr, meist im April, überflutet das Hochwasser von Nerl und Kljasma die Wiese. Dann steht die Kirche auf einem winzigen Eiland, ringsum Wasser. Der Fußweg, gut anderthalb Kilometer vom Haltepunkt, ist dann nicht begehbar; Einheimische setzen manchmal mit dem Boot über, verlassen kann man sich darauf nicht.

Es ist die einzige Zeit, in der das bekannteste Motiv der Region anders aussieht als auf jedem Foto, das du schon gesehen hast.

Kirschen, ein Garten und ein Museum ohne Erklärtafeln

  • Der Patriarchengarten am Spasski-Hügel liegt in einer geschützten Senke mit eigenem Mikroklima: Hier wächst, was sonst weiter südlich wächst. Fast 4 Hektar Terrassen und Obstbäume, mitten in der Stadt und trotzdem still.
  • Wladimir ist eine Kirschenstadt: Der Garten bewahrt fünf klassische Sorten, neuere lokale Zählungen fassen die Wladimirer Kirsche auch in sechs Formen. Seit 2014 steht am Gartenzugang ein Denkmal für die Wladimirer Kirsche, und im Juli gibt es ein Kirschfest. Im Mai blühen sie, im Juli werden sie gegessen.
  • Im Wasserturm von 1912 sitzt das Museum „Altes Wladimir“. Seine Besonderheit: keine erklärenden Museumstexte. Stattdessen Originalauszüge aus Zeitungen und Zeitschriften der Jahrhundertwende. Man liest, was die Wladimirer damals über sich selbst gelesen haben. Oben eine Aussichtsplattform. Seit dem 22. Juni 2026 ist es allerdings wegen Restaurierung geschlossen. Vor einem Besuch den aktuellen Stand prüfen.

Wann und wie

Die schnellsten „Lastotschka“-Verbindungen aus Moskau brauchen derzeit 1:41 Stunden, die schnellste Anbindung aller Ringstädte. Auf der Straße rund 190 Kilometer über die M7, je nach Verkehr 3 bis 4 Stunden.

April für das Hochwasser an der Nerl, Juli für Kirschfest und Patriarchengarten. Wer beides nicht braucht: September, wegen des Lichts über der Kljasma-Aue.

Und plane Susdal gleich mit ein. Es sind knapp vierzig Kilometer, der Bus braucht zwischen fünfunddreißig und gut fünfzig Minuten, und Susdal hat keinen eigenen Bahnhof. Wladimir ist das Tor dorthin.

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