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Der Krom von Pskow über dem Fluss Welikaja

Pskow

Eine Festungsstadt aus Kalkstein im Nordwesten, mit dem einzigen so vollständig erhaltenen monumentalen Freskenensemble Russlands aus vormongolischer Zeit.

Pskow gehört nicht zum Goldenen Ring. Es liegt ganz woanders, im Nordwesten, nahe der estnischen Grenze, dort wo die Pskowa in die Welikaja mündet. Von Sankt Petersburg sind es rund 290 Kilometer.

Trotzdem steht es hier. Denn Pskow ist etwas, das keine der Ringstädte ist: eine mittelalterliche Republik und Grenzfestung, mit einer eigenen Bauschule, die man auf den ersten Blick erkennt.

Weiß, aber nicht glatt

Das ist das Erste, was auffällt, und es hat einen handfesten Grund. Gebaut wurde hier aus Kalksteinplatten, die es im Pskower Land im Überfluss gibt, in Schichten von wenigen Zentimetern bis zu einem halben Meter. Daraus lässt sich keine glatte Geometrie mauern. Die Wände sind leicht schief, als hätte jemand sie modelliert statt gemauert.

Die Kirchen wurden traditionell verputzt und gekalkt, sind also tatsächlich weiß. Nur liegt diese Tünche eben über einer unebenen Mauer aus Bruchstein, nicht über glatt gefügten Quadern. Das Licht bricht sich anders als bei der strengen weißen Architektur anderer Regionen: wärmer, weicher, fast fleischfarben im Abendlicht.

Dazu kommt eine Eigenart, die den Klang der Stadt bestimmt: Statt Glockentürmen gibt es Sswonnizy, also Glockenwände. Die Glocken hängen offen in einer Mauerreihe, oft direkt auf der Dachschräge des Kirchleins. Beim Läuten sieht man die Seile.

2019 hat die UNESCO gleich zehn dieser Kirchen als „Kirchen der Pskower Architekturschule“ ins Welterbe aufgenommen.

Fresken, die überlebt haben, weil man sie übertüncht hat

Die Verklärungskathedrale des Mirosch-Klosters entstand im zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts, meist auf 1137 bis 1142 datiert, und wurde in denselben Jahren von namentlich unbekannten griechischen Meistern ausgemalt.

Vereinzelt haben sich auch anderswo in Russland Fresken aus vormongolischer Zeit erhalten, etwa in Nowgorod. Was Mirosch von allem anderen unterscheidet: Es ist das einzige monumentale Freskenensemble dieser Zeit, das in Russland in solchem Umfang erhalten blieb, laut Museum mindestens 80 Prozent der ursprünglichen Malerei. Gerettet wurden die Bilder durch ein Missverständnis: Später übertünchte man sie, nachdem sie durch Schmutz, Feuchtigkeit und Ruß stark nachgedunkelt waren. Genau diese Schicht Kalk hat sie konserviert. Erst Ende des 19. Jahrhunderts, 1886 bis 1889, legte Wladimir Suslow sie wieder frei.

Der Krom, und was „Perssi“ bedeutet

Die Burg steht auf einer schmalen, hohen Landzunge genau an der Flussmündung, 3,5 Hektar. Die Ostmauer misst 435 Meter, die Westmauer 345. Die Südmauer dagegen ist nur 88 Meter lang, dafür deutlich massiver als die übrigen. Sie heißt Perssi, die Brust.

Davor liegt die Dowmont-Stadt: anderthalb Hektar, dicht bebaut mit den Fundamenten von Steinkirchen. Du läufst dort über die Grundrisse von Kirchen, die es nicht mehr gibt.

Die Dreifaltigkeitskathedrale in der Mitte ist von 1699 und schon der vierte Bau an dieser Stelle. Sie beherrscht den Krom weithin sichtbar. Angaben um die 72 Meter kursieren, offiziell einheitlich bestätigt ist die Zahl nicht.

Die gesamte Pskower Stadtbefestigung hatte einmal vierzig Türme und rund neun Kilometer Mauer.

Zwei Ausflüge, die den Weg lohnen

Isborsk, dreißig Kilometer westlich, wird schon 862 in der Nestorchronik erwähnt. Die Steinfestung von 1330 steht auf einem Berg: 2,4 Hektar, laut Museum 623 Meter Mauer, 7,5 bis 10 Meter hoch und im Schnitt 4 Meter dick. Und unter ihr, an der Uferterrasse des Sees, treten die Slowenischen Quellen aus dem Hang, je nach Jahr und Quelle drei bis vier Liter pro Sekunde. Wasserfälle aus einer Wiese, direkt unter einer Burg aus dem 14. Jahrhundert.

Petschory, hinter Isborsk direkt an der estnischen Grenze, hat das Pskower Höhlenkloster. Die Höhlen sind seit dem 14. Jahrhundert bekannt, die Höhlenkirche wurde 1473 geweiht. Der eigentliche Clou: Dieses Kloster wurde nie geschlossen, in seiner ganzen Geschichte nicht, auch nicht in der Sowjetzeit. Der Grund ist Geografie: Petschory gehörte zwischen den Weltkriegen zu Estland, je nach Quelle von 1920/1922 bis 1940/1944. Eine Grenzverschiebung hat ein Kloster gerettet.

In derselben Gegend leben die Setu, ein kleines finno-ugrisches Volk, mit den Esten verwandt, aber orthodox. Im Dorf Sigowo steht das einzige Setu-Museum Russlands.

Wann und wie

Von Sankt Petersburg fährt die „Lastotschka“ ab dem Baltischen Bahnhof in rund dreieinhalb Stunden, mehrere Verbindungen täglich, die schnellste in etwa 3:28 Stunden. Von Moskau ist der Nachtzug die elegante Lösung: abends um 20:22 ab Leningrader Bahnhof, morgens um 08:17 in Pskow. Uhrzeiten sind fahrplanabhängig, vor Reiseantritt prüfen. Du verlierst keinen Reisetag.

Die beste Zeit ist Ende Mai bis Anfang Juli. Zwei Gründe: Pskow liegt weit im Nordwesten, die Juniabende sind sehr lang und sehr hell, genau das Licht, in dem gelblicher Kalkstein am schönsten aussieht. Und im Juni ist in Michailowskoje, hundert Kilometer entfernt, das Puschkin-Poesiefest; dort liegt Puschkin auch begraben.

September funktioniert ebenfalls, dann für Isborsk und Petschory mit Herbstfarben.

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